Amputation, Prothesen und der Weg zurück ins Leben - Im Gespräch mit Hanna Münstermann

Shownotes

In dieser Folge von PHYSIOWERK sprechen Eugen Fust und Dirk Hildebrand mit Hanna Münstermann über die physiotherapeutische Arbeit nach Amputationen und das Training mit Prothesen. Sie beleuchten, wie entscheidend Empathie, Geduld und Vertrauen in dieser sensiblen Reha-Phase sind – von der ersten Mobilisation nach der OP bis zur Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben. Dabei geht es um technische Fortschritte moderner Prothetik, den Umgang mit psychischen Belastungen und die Bedeutung eines positiven Selbstbilds. Eine ehrliche und bewegende Folge über Mut, Motivation und therapeutische Begleitung auf Augenhöhe.

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00:00:00: Physiowerk.

00:00:02: Dein Podcast über moderne Physiotherapie.

00:00:05: Bewegung, Reha und Prävention.

00:00:08: Hier erfährst du Spannendes zu den neuesten Trends und Techniken.

00:00:12: Mach dich fit mit unserem Praxis Know-how und Experten aus der Branche.

00:00:17: Für deine Gesundheit und mehr Lebensqualität.

00:00:21: Physiowerk, weil Physiologisch ist.

00:00:24: Ja, ein herzliches Willkommen, würde ich mal wieder sagen, zu dem Podcast Physiowerk.

00:00:28: Ihr seid hier richtig, wir sind mal wieder in Soß, in der Jakovistraße, da wo Physiowerk ist, da wo die tolle Praxis ist.

00:00:33: Wir haben hier die unterschiedlichsten Behandlungsräume und irgendwie sind immer in Raum sieben.

00:00:37: So ist es, toll.

00:00:39: Sieben ist mittlerweile schon der Podcast.

00:00:40: Sieben

00:00:40: ist meine Lieblingszeit.

00:00:42: Guck mal, guck mal, guck mal.

00:00:43: Wir wollen heute in dem Podcast über das Thema Reden Amputation und G-Schule mit Prothesen.

00:00:49: Dazu haben wir die Hannah Münster-Mandal, lieber Hannah, schön, dass du da bist.

00:00:52: Hallo, danke schön.

00:00:54: Und ich würde sagen, wir steigen direkt ins Thema ein, da würde ich die Frage direkt an euch beide mal stellen wollen.

00:01:00: Wenn wir über so ein Thema sprechen, dann bedeutet das ja oft, dass eure Patientin einen ziemlich heftigen Eingriff in das normale Leben hatte, weil das einfach passiert ist.

00:01:11: Was passiert ist, wenn man eine Amputation hat oder eine Prothese hat.

00:01:15: Ist es da auch ein ganz großer Bestandteil, dass man auch mental sich so auf denjenigen einstellt.

00:01:23: Es gibt natürlich jetzt die unterschiedlichsten Therapien, die man machen muss und die Reihenfolge.

00:01:26: Und man muss die unterschiedlichen Dinge beachten.

00:01:27: Aber ich glaube an allererster Stelle ist es doch wahrscheinlich mal so, dass man erstmal auf den Menschen sich einstellen muss, in welcher Situation der gerade ist.

00:01:35: Oder was sagt ihr dazu?

00:01:36: Genau.

00:01:37: Ich würde sagen, das ist ganz, ganz wichtig, erstmal sich selber bewusst zu machen, dass der Patient da eine schlimme Sache hat.

00:01:46: Der Patient... seinen Bein verloren hat, deswegen auch immer, kann ja auch immer ein Unfall gewesen sein, dann ist da auch noch ein Trauma vorhanden oder der Patient hat sowieso eine schwere Krankheit, beispielsweise internistische Krankheiten, die eben dazu führen, dass man ein Bein amputieren muss.

00:02:07: Ja, wenn mental haut ein das ordentlich aus dem Leben, oder?

00:02:11: Was denkst du?

00:02:12: Ich meine, kann man fast gar nicht sich reinversetzen, oder, wenn man es nicht selber hatte?

00:02:16: Man kann es versuchen.

00:02:17: Man kann es versuchen und ich finde auch immer, wir Therapeuten oder in unserer Aufgabe ist es uns sowieso immer etwas demütig zurückzunehmen und zu verstehen, was der Patient alles nicht mehr kann und welche Selbstständigkeit und eine gewisse Weise auch eine gewisse Würde ihm auch genommen wurde.

00:02:42: durch zum Beispiel ein amputiertes Bein.

00:02:45: Und da ist es ganz wichtig, was auch Hannah schon gesagt hat, erstmal zu verstehen und auch nicht nur das Schema-Elf sozusagen abzuarbeiten, sondern den richtigen Zugang erstmal zu finden und zu verstehen, was belastet denjenigen jetzt am meisten.

00:03:04: Und jetzt gerade vielleicht auch, weil es gibt bestimmt einen, der kommt nach drei Wochen Damit ein bisschen klar, einer kommt etwas mehr damit klar, muss man ja auch genau dann schauen.

00:03:13: Und das Alter spielt natürlich eine Rolle.

00:03:15: Definitiv, definitiv.

00:03:17: Würdet ihr schon sagen, dass mittlerweile von den Möglichkeiten, die man dann aber hat, schon die Lebenssituation wieder hergestellt werden kann, die man vorher hatte natürlich jetzt nicht mit dem Gesundheitszustand, die man vorher hatte, aber so, dass das Leben bewerkstelligt werden kann, dass man wieder, ich nehme jetzt mal das Beispiel Fahrrad fahren kann später irgendwann mal, also die Methoden sind ja mittlerweile glaube ich schon so gut.

00:03:36: dass vieles danach wieder möglich ist, oder?

00:03:38: Genau.

00:03:38: Die Prothesen, die da angeboten werden mittlerweile, das sind Wunderwerke, selbst die einfachsten Prothesen, die man Patienten mit relativ geringem Mobilitätsrat erst mal grad anbietet.

00:03:52: Die haben schon so viel Technik, also gehen wir von Oberschenkelprothesen aus.

00:03:57: Wenn man noch seinen Kniegelenk hat, dann hat man eben ein... Echt das Kniegelenk, aber das muss ersetzt werden durch eine Prothese, wenn man Oberschenkel amputiert ist.

00:04:06: und da ist so viel Technik drin, dass man schon wirklich sehr, sehr gutes Gangbild auch wieder erfahren kann, zumindest so, dass die größtmögliche Selbstständigkeit wieder entsteht.

00:04:21: Da ist auch überhaupt nicht ausgeschlossen, dass man, wenn man das vor der Amputation gemacht hat, Fahrrad fahren kann, Inlander fahren kann, Wandern, Skifahren, das ist alles möglich.

00:04:32: Es ist nur eben mit ganz viel Arbeit verbunden, mit ganz viel üben und guten Therapeuten.

00:04:38: Du hast gerade gesagt, Würde, das finde ich, das passt dazu ganz gut, weil es gibt einen Riesenunterschied, was das Thema eigenes Selbstbild und Würde angeht, wenn du die Vision davon hast, dass du solche Dinge wieder machen kannst oder wenn dich jemand sagt, du wirst das nie wieder machen können.

00:04:50: Ich glaube, da gibt es ein Riesenunterschied.

00:04:51: Das

00:04:51: ist ein Riesenunterschied und ich habe jetzt im Sommer in unserem Sommerurlaub etwas, ja, da war ich begeistert von.

00:05:00: Das war ein zehnjähriges Mädchen.

00:05:04: Hatte eine Amputation gehabt mit einer Prothese.

00:05:08: Selbst ich als Therapeut musste zweimal erst mal hingucken, auch von den Gang-Phasen her und von der Teilnahme am Leben.

00:05:17: Ich habe es ja am Pool gesehen und sie hat mit den anderen Kindern gespielt und gewuselt, als ob nichts wäre.

00:05:24: Und das sage ich mal bei einem Kind gut Kinder.

00:05:27: Die

00:05:27: können es vielleicht noch besser.

00:05:29: Die integrieren

00:05:29: sich und akzeptieren schneller.

00:05:32: Aber das war für mich etwas, wo ich sagte, wow.

00:05:35: Selbst als Therapeut guckst du jetzt zweimal hin, ist es tatsächlich eine Prothese und dass das heutzutage schon möglich ist.

00:05:43: Natürlich, wenn du bestes Beispiel, ich hatte mal einen Patienten, Motorradfahrer, Motorradumfall, hatten beiden verloren, stand mitten im Leben, war ich glaube um die dreißig rum.

00:05:56: Da kann das Leben auch böse werden, durch die Immobilität und so weiter.

00:06:00: Und nicht jeder Partnerin macht es mit.

00:06:02: Da fängt es ja schon an.

00:06:04: Die liebsten drumherum, wie weit akzeptieren die es auch?

00:06:09: Da kommt glaube ich ganz viel Psychologisches auch mit, ganz viel Mentalismal neben den ganzen medizinischen und therapeutischen Dingen, die man da ansprechen muss.

00:06:15: Wenn wir jetzt noch einen Fall mal, wir bleiben jetzt mal bei dem Beispiel des Motorradfahrers.

00:06:19: Wann fängt eure Arbeit an?

00:06:20: Also wenn derjenige jetzt noch im Krankenaus liegt oder wenn das erste Mal zu euch hierhin kommt, oder wie, wann fängt eure Arbeit an?

00:06:26: in der Regel?

00:06:27: Die Arbeit fängt an, wenn der Patient aus dem OP kommt letztendlich.

00:06:30: Okay.

00:06:31: Man muss schon da sehen, dass die Patienten schnellstmöglich mobilisiert werden und das sind dann schon, ist dann das Umdrehen im Bett.

00:06:39: Das ist das Hinsetzen.

00:06:40: Wie setze ich mich mit einem halben Bein hin?

00:06:42: Wie verhält sich das mit dem Gleichgewicht und... damit man sich zum Essen einfach an die Bettkante setzen kann.

00:06:49: Boah, die

00:06:49: erste Phase stell ich mir hart vor.

00:06:53: Ich glaube auch für euch, weil wenn der erst, das ist noch gar nicht so lange her, der muss das erst mal alles zum Trauma erst mal verarbeiten und ihr kommt da schon hin und sagt hier jetzt muss ich dir zeigen, wie du dich hinsetzt, das ist glaube ich eine harte Situation.

00:07:04: Genau,

00:07:04: da ist man auch nicht erstmal der gute, der ein hilft, sondern da ist man derjenige, der da hinkommt und als erstes will, dass man sich hinsetzt.

00:07:13: Man schämt sich vielleicht auch dafür, wie das jetzt aussieht, aber das sehen wir Therapeuten natürlich alles nicht so.

00:07:20: Und dann geht es ja schon darum, kann man so auf die Toilette gehen, kann ich den Transfer in den Rollstuhl machen und dann zur Toilette gehen, mich auf die Toilette setzen oder brauche ich dabei Hilfe von Pflegekräften.

00:07:32: Das ist natürlich mit dreißig Jahren nach einem Motorradunfall, sofern nur das Bein betroffen war, eine ganz andere Sache als wenn ich älter bin und sowieso multimorbide bin, eben sowieso viel Hilfe braucht, also die Hilfe anzunehmen, da fängt das oft schon an und auch die Therapie dann am ersten Tag nach der OP schon anzunehmen.

00:07:51: Muss man da auch als Chef mal ein bisschen sensibel mit seinen Mitarbeitern sein, auch mal so hingucken, da gibt es einen Mitarbeiter, der hat vielleicht auch ein bisschen Probleme mit oder du sagst als Chef vielleicht, oh der treu ich das jetzt zu, die kann das glaube ich ganz gut kanalisieren, wie man mit solchen Patienten umgeht, muss man da auch ein bisschen Auge drauf haben?

00:08:07: Auf jeden Fall.

00:08:08: Also mir ist es auch wichtig, dass ich meinerseits sage ich mal eine gewisse Steuerung oder die Verantwortung in der Steuerung übernehme, dass sage ich mal der richtige Therapeut den Patienten bekommt.

00:08:28: Die Therapie beginnt ja auch in der zwischenmenschlichen Chemie.

00:08:32: Und gerade wenn der Patient auch in der psychischen Phase sozusagen sehr labil ist, spielt die Chemie und das Zueinander auch eine wichtige Rolle.

00:08:46: Das ist

00:08:46: eine Grundlage für späteren Erfolg

00:08:48: auch.

00:08:48: Definitiv, das ist die Grundlage für jegliches Vertrauen und ich sage auch immer, jeder Patient passt zu uns und wir passen auch nicht zu jedem Patienten.

00:08:58: und dann schaue ich auch natürlich, wenn wir Spezialfälle haben, Welcher von meinen Therapeuten, da sag ich mal, am besten die Tür aufkriegen.

00:09:09: Ja, ja.

00:09:10: Geht es bei solchen Dingen dann am Anfang, oder wenn es dann auch weitergeht in der Therapie, geht es dann häufig eher so um das Thema, dass das Ding gut passt, dass die Passform gut ist, oder geht es eher darum zu gucken, wie man es in den Gesamtablauf, wir haben gerade bei dem Mädchen das Beispiel gesehen, wie diejenige dann geht und was für ein Gangbild sie hat und so, geht es mehr direkt darung, geht es mehr erstmal um die Basics mit dieser Passform, dass da einfach keine Schmerzen entstehen, aber wie... Genau.

00:09:33: Also erst mal ist es wichtig, dass Basisarbeit gemacht wird.

00:09:36: Und das fängt eben auch schon im Krankenhaus an, dass der Stumpf gewickelt werden muss.

00:09:40: Da ist viel Schwellung drin.

00:09:41: Da ist eine Wunde, die natürlich von den Ärzten und den Krankenschwestern oder den Pflegekräften versorgt werden muss.

00:09:48: Da muss man immer in Absprache bleiben, im Gespräch bleiben, wie sieht's aus?

00:09:53: Können wir jetzt schon mal wickeln?

00:09:54: Wir müssen uns natürlich der Erlaubnis von den Ärzten immer holen.

00:09:58: Aber das ist dann schon wieder der Nächste.

00:10:00: Der Gedanke an den nächsten Schritt habe ich Stumpfformung, habe ich da noch Ödem drin kann, der Techniker, da jetzt schon den Gipsabdruck oder den Scan machen für die Prothese.

00:10:11: Das ist ja alles ganz individuell angefertigt.

00:10:15: Und dann geht es schon weiter, bringe ich den Patienten bei, wie er sich das selber wickeln kann oder gibt es dann schon mal Kompressionsstrumpf da drauf für zu Hause, weil es einfacher ist, immer in der Hinsicht darauf, wie sind die Wundverhältnisse, wie belastbar ist der Stumpf?

00:10:31: Also erst mal geht es darum, den Stumpf belastbar zu machen.

00:10:35: Und wie welche Zeiträume muss man sich davor stellen?

00:10:40: kriegt jemand, der jetzt gerade beim Beispiel wieder beim Motorrad und für seinen Beinförder hat, wann hat der das erste Mal, steht der mit einer Prothese wieder auf einen Füßen?

00:10:49: Ungefähr kann man natürlich jetzt nicht so genau sagen, aber reden wir da eher von einem Monat, drei Monate, sechs Monate, ein Jahr.

00:10:55: Eins bis drei Monate, würde ich sagen, um da jetzt ganz schnell

00:11:00: individuellen... Ohne Gewähr, aber nur einem Gefühl dafür zu bekommen.

00:11:04: Ja, nach einem Vierteljahr sollte er schon, dann sage ich mal... damit umgehen können.

00:11:11: Vorsichtig.

00:11:12: Und

00:11:12: es ist ja am Ende so, wenn ich jetzt mal selber überlege, die Funktion, wenn ich jetzt mal Amputation am Knie jetzt sehe, dass das Kniegelenk da ist, dann ist ja die Funktion des Ganges ja eigentlich in dem Gelenk der Hüfte und so ist ja noch alles da.

00:11:26: Das heißt, da werden sich Menschen wahrscheinlich einfacher tun.

00:11:30: oder, dass dann den Gang wieder hinzubekommen.

00:11:33: Wenn das Kniegelenk noch da ist, ist das natürlich sehr, sehr gut, weil auch wichtige Muskeln für das Gangbild eben am Knie oder unterhalb des Kniees ansetzen.

00:11:45: Und das ist, so wie ich das gelernt habe, für den Techniker auch ein bisschen einfacher für den Unterschenkel, eine Protese zu fertigen als für den Oberschenkel mit Abstützung und so was.

00:11:55: Das ist eben auch wieder ein ganz komplexes eigenständiger Beruf, wo wir dennoch ein bisschen Kenne von haben müssen.

00:12:03: Aber es ist schon gut, wenn das Knie noch da ist, um das zu versorgen.

00:12:09: Geht es auch ein bisschen im Gleichgewicht und so?

00:12:10: Ich meine, das ist ja ganz andere Dinge gewohnt.

00:12:13: Also ich könnte mir vorstellen, das ist ja ganz anders.

00:12:16: Genau.

00:12:17: In der Fortbildung entdeckt.

00:12:18: die ich gemacht habe, extra speziell für Gangsschule bei Amputierten.

00:12:22: Es ist so, dass man am Anfang direkt einmal selber mit einer Prothese läuft.

00:12:27: Da kniet man sich sozusagen auf eine Halterung und unten dran ist eine Prothese und da merkt man zum ersten Mal, man spürt nichts.

00:12:38: Da unten ist kein Fuß, da ist nichts.

00:12:42: Da ist es ganz schwierig, das Gewicht drauf zu bekommen.

00:12:45: Also man geht mehr auf das gesunde Bein oder das vorhandene Bein.

00:12:49: Und man muss sich erstmal trauen, Gewicht auf die Prothese zu bringen und dann schnellstmöglich eben von Stützen wegzukommen, damit ich eben nicht auf meinen Händen stütze, sondern wirklich in der aufrechten Position bin.

00:13:02: Und da geht es dann als allererstes erstmal ums freie Stehen, dass ich das kann.

00:13:07: Ja, das ist ja, glaube ich, Das ist, glaube ich, so, wie eben schon mal kurz angedeutet.

00:13:12: Das kann man gar nicht nachvollziehen.

00:13:13: Ich glaube,

00:13:14: das ist ein gutes Beispiel, wenn du dich auf ein taubes Bein stellst.

00:13:18: Wenn so ein Bein eingeschlafen ist und du da jetzt nicht die Kontrolle hast.

00:13:23: Monster unangenehm.

00:13:24: Ich denke, das ist so realitätsnah.

00:13:28: Und man geht jetzt immer davon aus, dass es ein Motorradverunfall war, je nachdem, wie krank der Patient ist, mit Gefühlsstörungen in den Beinen und so.

00:13:36: der stumpft, das ist einfach kein Fuß.

00:13:39: Und da geht es ganz, ganz viel darum, die Wahrnehmung zu schulen, dann ein Gefühl zu entwickeln, wie steht mein Körper im Raum?

00:13:48: Und wie kann ich dann eben auch ins Gen kommen, ohne dass ich direkt hinfalle?

00:13:53: Es passiert sehr, sehr häufig gerade im Krankenhaus noch und auch in der Reha das Patienten stürzen.

00:13:58: Dann geht es darum, wie komme ich vom Boden hoch?

00:14:02: Wie stehe ich mit nur einem Bein auf oder mit der Prothese?

00:14:05: Es gehört genauso dazu, wie Gangsschule eben auch Sturztraining zu machen.

00:14:10: Was ist also das häufigste, zumindest jetzt in aus eurer Erfahrung oder aus euren Bereichen heraus, also warum man eine Amputation hatte?

00:14:17: Der Unfall ist das eine, aber es gibt ja, glaube ich, wenn ich jetzt mit meinem Halbwissen mal um die Ecke komme, ich glaube, irgendwie mit Diabetes gibt es ja auch.

00:14:24: Dinge.

00:14:26: Diabetes, eine Relle durch Blutungsstörung.

00:14:29: Also alles, was praktisch die Gewebeversorgung unterbricht und wo ein Gewebesterben sozusagen einsetzt.

00:14:39: Und hat man am häufigsten das Bein?

00:14:41: Ja, wahrscheinlich, oder?

00:14:43: Genau.

00:14:43: Aber es

00:14:43: sind ja wahrscheinlich eher selten.

00:14:45: Ein häufiger Grund für Amputationen an der oberen Extremität sind eigentlich Unfälle oder Knochenkrebs, sowas in der

00:14:53: Art.

00:14:54: Und die Beine, die sind dann von der PAVK häufig, also von der arteriellen Verschlusskrankheit, betroffen, dass da die Gewebedurchblutung einfach schlecht ist.

00:15:05: Und dann kommt es eben auf den Operateur drauf an, was er sagt, wie weit das noch versorgt ist.

00:15:11: Es gibt natürlich auch Amputationen, die weitaus an anderen Stellen stattfinden.

00:15:17: auch nur der Vorfuß amputiert oder unterhalb des Sprunggelängs, oberhalb des Sprunggelängs.

00:15:23: Da gibt es natürlich dann auch Rothesen dafür.

00:15:26: Und es kommt auch nicht selten vor, dass die Patienten doppelt amputiert sind.

00:15:31: Das bei den multimorbiden internistischen Patienten, die Herzerkrankungen.

00:15:37: Perifere Verschlusserkrankung, dann auf der einen Seite den Vorfuß amputiert haben, auf der anderen Seite den Oberschenkel.

00:15:44: Also dann arbeitet man dann mit verschiedenen Amputationshöhen oder bei Unfällen doppelt Oberschenkel amputiert.

00:15:52: Die kriegt man auch wieder ans Laufen.

00:15:53: Das ist eine ganz, ganz tolle Arbeit.

00:15:55: Ja, ich glaube, darum geht es am Ende.

00:15:57: Die Hoffnung da auch immer aufzuzeigen, dass das Ziel sein könnte, dahin zu kommen.

00:16:02: Nicht jeder kommt, glaube ich, am Ende dann dahin.

00:16:06: Die Frage ist immer, wie weit der Patient kommen möchte.

00:16:12: Also die Zusammenarbeit ist sehr wichtig und auch die Selbstverantwortung und Selbstmotivation des Patienten, weil wir können ja keinen zwingen.

00:16:25: Und sicherlich gibt es auch Patienten, die sich in einem bestimmten Stadium aufgeben und da kannst du auch mit Engels Zungen reden, da passiert nichts mehr, wenn sie wirklich selber mit psychologischer Hilfe dann die Kurve nicht kriegen.

00:16:44: Ich wollte nochmal kurz auf die Geschichte zurückkommen, warum es mehr an den Beinen ist.

00:16:50: Es hat einen ganz einfachen Hintergrund, weil die Beine sozusagen geografisch am entfertesten vom Herzen liegen.

00:16:56: Das heißt, da ist die Blutversorgung, je tiefer es ins Bein geht, wird immer schwieriger.

00:17:02: Und dadurch sind die Beine natürlich mehr betroffen bei Verschlusskrankheiten sozusagen als jetzt Arme oder so.

00:17:12: Wie muss ich mir das vorstellen?

00:17:14: Habt ihr regelmäßig solche Patienten oder ist es eher schon die Ausnahme?

00:17:18: Zuzeit ist es noch eher die Ausnahme.

00:17:21: Das liegt vornehmlich auch, glaube ich, daran.

00:17:23: Ich habe schon in vielen Bereichen gearbeitet und habe sehr häufig keine Prothesenpatienten gesehen, weil die Spezialisierung bei Therapeuten nicht so da ist, vor allen Dingen bei Physiotherapeuten nicht.

00:17:35: Es gibt nur sehr wenige Therapeuten in Deutschland, die darauf spezialisiert sind, die die Fortbildung gemacht haben.

00:17:43: Und es wird auch immerhin von den Firmen auch häufig Fortbildungen angeboten, aber das verteilt sich auf ganz Deutschland dann.

00:17:53: Aber die Arbeit ist eigentlich, wenn man, glaube ich, euren Job ausführt, ist das mit die wichtigste Arbeit.

00:17:59: So, wenn Menschen wirklich komplett am Boden liegen und für die da sein zu können.

00:18:03: Ich glaube, das ist so ja auch, wenn man so ein Job wie ihr habt, wo man einfach Menschen helfen möchte, dann ist das auch so eine Art Ethos-Ding.

00:18:09: Genau, das ist wieder ganz unabhängig davon, was der Therapeut eben, wo der sich selber seinen Schwerpunkt setzt.

00:18:17: Aber ich finde die Arbeit, Menschen wieder ins Leben zu bringen, die dabei begleiten zu dürfen.

00:18:22: Das ist natürlich, arbeiten da ganz viele Disziplinen mit und die Orthopädie Techniker sind ein ganz, also mit der wichtigste Bestandteil bei der Prothesenversorgung, die müssen sie ja bauen.

00:18:34: Aber da muss ein Austausch stattfinden.

00:18:37: und Ja, das ist einfach eine schöne Arbeit, wenn man dann am Ende mit dem Patienten eine Treppe hochgeht, oder?

00:18:45: Ja,

00:18:46: und man sieht ja auch, man kriegt ja auch immer mal wieder mit, wenn solche Leute, die solche Unfälle hatten, auf einmal unfassbare, sportliche Leistungen bringen oder irgendwelche Dinge machen, wo man einfach sagt, es geht eigentlich gar nicht, weil die speziell aus dieser Krankheit heraus einen Willen entwickelt haben, wieder nicht nur am Leben ganz normal teilzunehmen, sondern irgendwelche herausragenden Dinge auch zu machen.

00:19:04: Das sieht man ja auch immer mal wieder.

00:19:05: Da kann man das auch mal sehen, dass was alles geht heute.

00:19:08: Ja, und da bin ich auch froh, dass wir hier sozusagen im Physiowerk jetzt als einer der wenigen Praxen dem Patienten so ein Angebot schaffen können und das auch anbieten können.

00:19:20: Ja, das ist toll.

00:19:22: Es ist immer wichtig für die Patienten zu wissen, wie sie versorgt werden können.

00:19:27: Es gibt so viele Möglichkeiten, Prothesen zusammenzusetzen von verschiedenen Herstellern.

00:19:34: Man darf als Patient nicht aufgeben, wenn der stumpf sich entzündet, wenn wieder eine Wohnteilungsstörung kommt.

00:19:41: Da gibt es verschiedene Materialien, mit denen man arbeiten kann und Tricks, die der Techniker dann vor allem auch mitbringt.

00:19:48: Und wir als Therapeut müssen das aber immer einschätzen können.

00:19:51: Da gibt es noch eine andere Möglichkeit.

00:19:57: Die Versorgung ist für Erwachsene immer ein bisschen schlechter als für Kinder, muss man leider so sagen.

00:20:02: Kinder, die amputiert sind, sollten vor allem darauf achten, dass sie vor dem achtzenden Geburtstag nochmal Prothesen versorgt werden, weil sobald man achtzend ist, steht einem noch eine Prothesenversorgung zu und eine Badeprothese.

00:20:18: Und zum Beispiel die Sportprothesen, die wir alle aus dem Fernsehen kennen, wenn die parallel sind, beispielsweise, die werden für Erwachsene nicht bezahlt.

00:20:26: Ah, okay.

00:20:27: Es ist immer wieder abhängig davon, wie der Unfall passiert ist, was ein Wegeunfall von der Arbeit war.

00:20:33: Es ist eine Krankenkassenleistung.

00:20:38: Die Haftpflichtversicherung von Unfallpartnern, also dem Gegner letztendlich, kann auch Kosten übernehmen, aber die Versorgung ist für Erwachsene einfach wesentlich schlechter als für Kinder.

00:20:49: Da

00:20:49: sieht man mal, das ist auch wichtig ist, dass die Leute dann, also das so wie du, dass ihr euch auch in allen Bereichen auskennt.

00:20:55: Genau.

00:20:56: Weil das sind ja irgendwie nicht unwichtige Dinge.

00:20:58: Und

00:20:58: man muss wissen, wo man sich erkundigen

00:20:59: kann.

00:21:01: Sehr spannendes Thema.

00:21:02: Gibt es noch etwas, was wir noch vergessen haben, was du noch ansprechen möchtest aus deiner Erfahrung heraus oder du?

00:21:07: Ich glaube, wir haben vieles vieles beschrieben.

00:21:09: Sehr, sehr spannend, dass ihr das hier auch anbietet und sehr, sehr wichtig, glaube ich, für die Menschen, die es dann erleiden und die in ihrem Leben so einen Einschnitt haben.

00:21:19: Danke euch beiden!

00:21:20: Für die Informationen hat mir mal wieder sehr viel Spaß gemacht.

00:21:23: Und ich würde sagen, wir hören uns beim nächsten Mal wieder, oder?

00:21:25: So machen wir es.

00:21:26: Bis dann.

00:21:27: Tschüss.

00:21:30: Ciao.

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